…und die Antworten?

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Streetart in Valparaiso, Chile. Dort kennt sich auch meine Lieblings-Bloggerin Meike Stephan sehr gut aus.

Stephan, einer der kreativen Köpfe hinter unserem „Lateinamerika verstehen“-Projekt (oder, wie er sagen würde: Blogger-Kollektiv)  und begeisterter Betreiber des Kolumbien-verstehen-Blogs, hat mir vor Kurzem die Ehre erwiesen, meine noch junge Seite als Lieblingsblog zu nominieren. Muchas gracias dafür!

Diesen Ruhm gibt es natürlich nicht einfach so – er hatte auch einige spannende Fragen an mich, die ich hiermit mal versuchen werde zu beantworten.

Warum und für wen bloggst du?

Na, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen 😉

Naja, wie vermutlich die meisten Menschen schreibe ich insgeheim für mich selbst. Weil das aber auf Dauer langweilig ist und digitaler Applaus gut fürs Ego ist, freue ich mich über Leserinnen und Leser. Vielleicht Menschen, die auch Interesse an Mexiko haben, oder dorthin reisen wollen, oder andere Erfahrungen als ich gemacht haben – der Blog kann gerne auch eine Austauschplattform sein. Er ist als Teil des Lateinamerika-Verstehen-Projekts entstanden, zu dem Stephan und Johanna mich eingeladen haben. Ich schreibe schon – puhh – ungefähr seit ich mit 11 Jahren in die Schülerzeitung eingetreten bin? Seitdem habe mich als freie Mitarbeiterin bei verschiedenen Lokalzeitungen verdingt, als ehrenamtliche Pressesprecherin gearbeitet, Journalismus studiert und immer wieder Texte über meine Reisen in Lateinamerika verfasst – unter anderem auch für Kinder. Bis vor Kurzem habe ich viele dieser kreativen Auswürfe in meiner digitalen Schreibtischschublade gesammelt. Der Mexiko Blog ist jetzt mal ein Versuch, die Texte thematisch zu bündeln und mich auf dieses Land zu fokussieren.

Ich fasse die nächsten beiden Fragen mal zusammen:

Was sagen deine Eltern dazu? „Arbeitest du eigentlich auch was Richtiges?“ (könnte der O-Ton meines und vieler Väter sein:)

Ich glaube, solange ich auch „was Richtiges“ arbeite, hat mein Blog kein familiäres Konflikpotential 😉 Mit meinem Mann, der selbst Mexikaner ist, diskutiere ich manchmal die Themen, über die ich schreibe. Dabei sind wir uns selten einig, was zwar anstrengend aber auch bereichernd sein kann. Das Bloggen ist für mich bislang „nur“ ein Hobby – ich habe arbeite seit Kurzem im Bereich Öffentlichkeitsarbeit.

Wie findest du deine Themen? Hast du eine Muse oder wer oder was bringt dich auf Ideen und (Schreibexzess-)Touren?

In Mexiko gehen die Themen nie aus. Dieser Gedanke stammt garnicht von mir, sondern von dem Auslandskorrespondenten Klaus Ehringfeld, den ich für meine Bachelorabeit vor drei Jahren in Mexiko Stadt interviewen durfte. Aber es ist wahr – ich finde, die Lebensrealität der Menschen in Mexiko unterscheidet sich in so vielen Aspekten von dem Leben der meisten Deutschen, dass man eigentlich ständig fotographieren und interviewen könnte. Mir passiert es in Mexiko oft, dass ich mit Leuten ins Gespräch komme und sie mir über ihr Leben und ihre Erfahrungen erzählen.  Die Bananenverkäuferin, die elf Kinder zur Welt gebracht hat, der 80jährige Campesino, der täglich das Gemüse zum Verkaufen in die Stadt trägt, die vielen Menschen, die Migrationserfahrungen gemacht haben, die selbst Geschäfte gründen, die vielen ethnische Minderheiten innerhalb Mexikos  –  es ist mehr Stoff zum Erzählen da, als ich Zeit zum Schreiben und Recherchieren habe.

Was war dein bisher bester Text inner- und außerhalb des Bloggens?

Bei meiner freien Mitarbeit für verschiedene Lokalzeitungen habe ich oft über sehr schräge Themen geschrieben – unter anderem über ein Konzert der Kastelruther Spatzen. Einen guten Text zu einem Thema zu machen, das man erstmal völlig absurd findet ist eine Kunst – darauf bin ich schon etwas stolz. In der Haftanstalt Eichstätt habe ich mal Angehörige interviewt – diese Reportage fand ich auch ziemlich gelungen. Meine liebste Textgattung sind vielleicht Porträits. Unter anderem habe ich in Chile für die Wochenzeitung  „Cóndor“ gearbeitet und durfte dabei Persönlichkeiten aus der deutsch-chilenischen Community interviewen. Dabei lernt man Menschen sehr persönlich kennen und trägt viel Verantwortung dabei, wie man sie darstellt und beschreibt. Aber ich habe mich auch schon an Kurzgeschichten versucht, zum Beispiel diese hier finde ich eigentlich ganz gelungen.

Hast du einen inneren Antrieb, eine Motivation zum Schreiben? Glaubst du, dass das, was du schreibst etwas verändern kann?

Ich verstehe mich nicht unbedingt als eine Tastatur-Revolutionärin. Kein Text verändert jemals irgendwas – aber vielleicht verändern die Menschen, die den Text lesen, danach etwas. Auch wenn es nur ihre eigene Sichtweise auf ein Thema ist. Das wäre natürlich großartig.

Was tust du gegen Schreibblockaden?

Hmm….was soll ich da jetzt schreiben!? Fühle mich gerade so unkreativ…äähh… OHNEINN!!!  Quatsch beiseite – für mich ist der beste Druck eine Deadline. Dann geht es schon, muss ja.

Was wäre ein Thema, dass du gerne behandeln willst, dich aber bisher nicht getraut hast? Über welches Thema würdest du nie schreiben wollen, obwohl es zu deinem Blog passen würde?

Zu einem Mexiko-Blog „passen“ würde natürlich auch der ganze Themenkomplex Drogenkriminalität. Der kommt in der Mainstream-Berichterstattung über Mexiko nicht unbedingt zu kurz, wird aber häufig natürlich sehr verkürzt dargestellt. Ich sehe allerdings nicht so recht, was und mit welchem Nutzen ich hier beitragen  könnte. Journalistische Rercherche in diesem Bereich ist Expertensache oder schlichtweg lebensmüde. Kommt für also für mich als unbezahlte Hobby-Bloggerin nicht in Frage. Über den harten Stand mexikanischer JournalistInnen zu schreiben macht schon mehr Sinn, das habe ich auch schon getan – hier auf dem Blog. Prinzipiell stehe ich aber noch am Anfang und möchte  keine Themen kategorisch ausschließen. Falls jemand Vorschläge und Wünsche hat, gerne her damit!

Wie oft liest du deinen Text bevor du auf Publizieren drückst? Hast du Angst vor den Lesern und warum (nicht)?

Für mich ist das reine Bloggen quasi Neuland. Bei einer Zeitung wird ja redigiert – kein Artikel wird einfach publiziert, ohne mehrmals gegengelesen worden zu sein. (Manchmal vielleicht doch, aber die Krise des Journalismus wäre jetzt ein anderes Thema…) Und man kann online ja immer wieder editieren, ausbessern, nachträglich hinzufügen – also eigentlich kein Grund zur Panik. Angst habe ich deshalb keine, konstruktive Kritik nehme ich gerne an und alles Andere lösche ich einfach! *muhahahahaha*

Kleine Anekdote am Rande: Als ich vom einfachen Fünftklässer-Schülerzeitungs-Fußvolk zur Chefredakteurin aufgestiegen war, mussten wir einmal nachts auf die Schnelle zu zweit das Layout fertigstellen – und hatten dann am Ende einen Rechtschreibfehler auf dem Titelblatt: „Evulution“ ….an einem humanistischen bayerischen Gymnasium (!) Den journalistischen Super-GAU habe ich also bereits im Schulalter hinter mich gebracht 😉

Hast du einen Tick beim Schreiben? Was tust du beim Schreiben selbst, wie sitzt du und wo, etc.?

Meine kreative Grundlage ist schwarzer Kaffee, gerne mit ein bisschen Milch. Wenn ich in Mexiko bin, gehe ich sehr gerne in Cafés zum Schreiben. In Cholula gibt es mittlerweile, Hipstertum sei Dank, auch in selbstgezimmerten Dachterassen-Restaurants manchmal Steckdosen und WLAN. Dann noch ein Kaffee oder einen frischen Orangensaft – bessere Bedingungen kann ich mir nicht vorstellen. Ein Tick? Ich tendiere zu Überlängen. Dann muss ich kürzen, was natürlich schmerzt – aber meistens sind Texte tatsächlich danach besser, wenn man den Kern „herausgemeißelt“ und alles Andere weggestrichen hat.

Ich möchte die Lorbeeren aber nicht nur einstreichen…..sondern ich reiche ich die Lieblingsblog-Nomminierung hiermit weiter: An Meike und ihren wunderbaren Blog Wunschmaterial:

Screenshot Wunschmaterial

Warum es sich lohnt, da mal reinzulesen? Meike interviewt für ihren Blog Menschen, die Wünsche haben – große, kleine, manchmal sehr verrückte oder auch solche, bei denen man Gänsehaut bekommt. Gewürzt ist das Ganze mit lustig-kritischen Artikeln über Frauen, Männer, Feminismus und Gesellschaftskritik. In Sachen Community Management kann man und frau von Meike einiges lernen, denn so nett und respektvoll wie bei „Wunschmaterial“ geht es in wenigen Kommentarspalten zu. Im Moment hat sie aber wahrschenlich nicht viel Zeit zu kommentieren – Meike ist nämlich gerade unterwegs. Wo? In Mexiko!

Für ihre Rückkehr habe ich aber schon mal einige Fragen an sie vorbereitet:

Wie ist die Idee zu deinem Blog entstanden? Was macht dir am Meisten Spaß daran?

Gab es ein Wunschmaterial-Interview, dass dir besonders stark in Erinnerung geblieben ist? Ein besonders ungewöhnlicher oder ergreifender Wunsch?

Was wäre denn ein großer Wunsch von dir?

Was antwortest du Leuten, die behaupten Frauenzeitschriften und „Frauenthemen“ wären oberflächlicher Pseudo-Journalismus?

Was ist dir auf deiner Reise in Mexiko besonders aufgefallen? Gibt es etwas, worüber du jetzt gerne schreiben oder lesen möchtest?

Muchas gracias, ich bin gespannt auf die Antworten!

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Ein Gedanke zu “…und die Antworten?

  1. Hat dies auf Lateinamerika verstehen rebloggt und kommentierte:
    Und hier kommt Maria die „Tastatur-Revolutionärin“: Ganz im mexikanischen Stil von Zapata mit Sombrero und Themen-Kanone im Anschlag betritt sie Blogger-Neuland, „um die Welt zu einem besseren Ort zu machen“ . Na dann lass mal lesen!

    Liken

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